Die Permanenz eines Projekts wird anhand einer Kombination aus technischer Analyse, Risikomodellierung, Monitoringverpflichtungen, rechtlichen Vereinbarungen und übergeordneten Schutzmechanismen bewertet.
Eine belastbare Prüfung muss sowohl die physische Dauerhaftigkeit der Kohlenstoffspeicherung als auch die praktische Fähigkeit des Projekts untersuchen, diesen Speicher langfristig zu schützen.
IDENTIFIZIERUNG VON UMKEHRRISIKEN
Im ersten Schritt werden realistische Ereignisse identifiziert, die zu einem Verlust des gespeicherten Kohlenstoffs führen könnten.
Je nach Projekt können dazu gehören:
- Waldbrände
- Dürren
- Stürme und Überschwemmungen
- Schädlinge und Krankheiten
- illegale Abholzung
- Landnutzungsänderungen
- Veränderungen der Eigentums- oder Landnutzungsrechte
- politische oder regulatorische Veränderungen
- Konflikte
- Verlust der Unterstützung lokaler Gemeinschaften
- Insolvenz des Projektträgers
- fehlende langfristige Finanzierung
- Versagen von Monitoring- oder Kontrollsystemen
Die Analyse sollte das spezifische Ökosystem, den Standort, das Bewirtschaftungsmodell und den sozialen Kontext des Projekts berücksichtigen. Allgemeine Standardannahmen reichen dafür nicht aus.
BEWERTUNG VON WAHRSCHEINLICHKEIT UND MÖGLICHEM VERLUST
Anschließend muss bewertet werden, wie wahrscheinlich die einzelnen Risiken sind und welcher Anteil des gespeicherten Kohlenstoffs betroffen sein könnte.
Auch ein Ereignis mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit kann wesentlich sein, wenn es einen großen Teil des Kohlenstoffbestands zerstören könnte. Ebenso können viele kleinere Verluste über einen längeren Zeitraum ein erhebliches kumulatives Risiko darstellen.
Kohlenstoffstandards können den ermittelten Risikowert in einen verpflichtenden Beitrag zu einem Pufferpool, eine Versicherungsanforderung oder einen Abschlag auf die Anzahl der ausstellbaren Zertifikate übersetzen.
PRÜFUNG VON LANDRECHTEN UND LANGFRISTIGER KONTROLLE
Permanenz hängt stark davon ab, ob das Projekt über eine belastbare rechtliche und praktische Grundlage verfügt, um die Fläche und den Kohlenstoffbestand langfristig zu bewirtschaften und zu schützen.
Relevante Fragen sind unter anderem:
- Sind Landrechte und Rechte am gespeicherten Kohlenstoff eindeutig geregelt?
- Decken die vertraglichen Verpflichtungen den erforderlichen Zeitraum ab?
- Kann das Projekt Einschränkungen der Landnutzung tatsächlich durchsetzen?
- Was geschieht, wenn das Land verkauft wird?
- Sind indigene Völker und lokale Gemeinschaften sinnvoll eingebunden?
- Profitieren lokale Interessengruppen vom langfristigen Fortbestand des Projekts?
- Gibt es einen wirksamen Mechanismus zur Beilegung von Konflikten?
Eine lange Projektlaufzeit allein garantiert keine Permanenz, wenn die zugrunde liegenden Rechte, Anreize und Verantwortlichkeiten nicht belastbar geregelt sind.
BEWERTUNG DER LANGFRISTIGEN FINANZIERUNG
Monitoring, Kontrolle und die Einbindung relevanter Interessengruppen verursachen kontinuierliche Kosten.
Bei der Bewertung der Permanenz sollte deshalb geprüft werden, ob das Projekt über einen glaubwürdigen Finanzierungsplan für folgende Aktivitäten verfügt:
- Monitoring im Feld
- satellitengestützte Überwachung
- Waldbrandprävention
- Wiederherstellung nach Schadensereignissen
- Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften
- rechtliche Durchsetzung
- unabhängige Verifizierung
- Berichterstattung
- langfristige Projektsteuerung
Ein Projekt, dessen Klimawirkung von dauerhaftem Schutz abhängt, aber keine gesicherte langfristige Finanzierung besitzt, kann ein wesentliches Permanenzrisiko darstellen.
MONITORING UND VERIFIZIERUNG
Projekte müssen ihre Kohlenstoffbestände kontinuierlich überwachen und erhebliche Verluste melden.
Das Monitoring kann verschiedene Methoden kombinieren:
- permanente Stichprobenflächen
- Waldinventuren
- Bodenproben
- Fernerkundung
- satellitengestützte Frühwarnsysteme
- Drohnenaufnahmen
- hydrologisches Monitoring
- ökologische Erhebungen
- regelmäßige unabhängige Verifizierungen
Kohlenstoffstandards sollten außerdem klar festlegen, was als Umkehrung gilt, innerhalb welchen Zeitraums sie gemeldet werden muss, wie die verlorene Kohlenstoffmenge berechnet wird und wodurch eine Kompensation ausgelöst wird.