Die Veröffentlichung der aktualisierten FLAG Guidance v1.2 sowie des Land Sector and Removals (LSR) Standards markiert einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Unternehmen landbasierte Emissionen erfassen und reduzieren müssen.
Für Unternehmen entlang von Wertschöpfungsketten in den Bereichen Lebensmittel, Landwirtschaft und Handel sind diese Änderungen besonders relevant, da landbasierte Emissionen häufig den größten Anteil ihres gesamten Emissions-Footprints ausmachen.
Beide Rahmenwerke schaffen mehr Klarheit und bieten einen strukturierteren Ansatz für glaubwürdige Net-Zero-Ziele. Gleichzeitig bringen sie jedoch zusätzliche Komplexität mit sich. Wenn Sie unsicher sind, wo Ihr Unternehmen aktuell steht, geben wir Ihnen einen Überblick über beide Frameworks und deren Bedeutung für Ihre Klimaschutzstrategie.
Der LSR Standard (veröffentlicht im Januar 2026) und die aktualisierte FLAG Guidance (veröffentlicht im März 2026) sind so konzipiert, dass sie sich gegenseitig ergänzen:
Da beide Frameworks aufeinander aufbauen, ist ein GHG-Protocol-konformes Land-Sector-Inventory Voraussetzung, um FLAG-Ziele festzulegen. Gemeinsam schließen sie eine zentrale Lücke in Corporate Climate Strategies: fehlende klare Anforderungen zur Bilanzierung von Auswirkungen im Landsektor.
Wenn Ihr Unternehmen in den Bereichen Food, Agriculture, Retail oder entsprechenden Supply Chains tätig ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Frameworks für Sie relevant sind.
Der Standard richtet sich an Unternehmen mit landbasierten Aktivitäten (z. B. in der Landwirtschaft) sowie an Unternehmen, die CO₂-Removals bilanzieren oder reporten möchten. Zu beachten ist, dass Forestry derzeit noch nicht vollständig berücksichtigt wird, was für Unternehmen in diesem Bereich vorübergehende Lücken schaffen kann.
Unternehmen sind verpflichtet, FLAG Targets zu setzen, wenn:
Unternehmen unterhalb dieses Schwellenwerts wird dennoch eine freiwillige Teilnahme empfohlen – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen von Investoren und Regulatoren.
Der LSR Standard führt Anforderungen zur Bilanzierung in folgenden Bereichen ein:
FLAG Targets werden hingegen getrennt von energie- und industriebezogenen Science-Based Targets definiert und umfassen drei Kategorien:
Wichtig ist, dass Emissionsreduktionen und CO₂-Removals getrennt bilanziert und reportet werden müssen. Emissionen, die über Carbon Finance adressiert werden, gelten nicht als anrechenbare Removals.
Neben der Ausrichtung am GHG Protocol definiert die FLAG Guidance v1.2 klare Deforestation Deadlines und erweitert den Scope auf zusätzliche Commodities. Unternehmen müssen:
Diese Anforderungen gelten für:
Damit erweitert sich der Verantwortungsbereich insbesondere für Unternehmen mit komplexen Sourcing-Strukturen erheblich.
Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft die Behandlung landbasierter Emissionen innerhalb von Scope 3.
Unternehmen müssen Emissionen aus Land Use Change für eingekaufte landwirtschaftliche Produkte innerhalb von Scope 3 getrennt als direkte und statistische Werte ausweisen. Erstmals müssen auch Supply Chains für tierische Produkte Land Use Change sowohl für Grazing Land als auch für Feed Production berücksichtigen. Zudem verlangt der Standard konsistente Allokationsmethoden über alle Accounting-Kategorien hinweg innerhalb definierter Systemgrenzen.
Die Guidance definiert klare Coverage Requirements:
müssen durch FLAG Targets abgedeckt werden.
Diese Anforderungen gelten unabhängig von den allgemeinen Scope-3-Vorgaben, sodass Unternehmen mit relevanten landbasierten Supply Chains möglicherweise zwei separate Scope-3-Ziele erfüllen müssen.
Zudem definiert FLAG klare Systemgrenzen:
Damit werden alle Emissionen entlang der landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Produktion erfasst und Doppelzählungen vermieden.
In der Praxis bedeutet dies eine strukturelle Veränderung in der Steuerung und im Reporting von Supply Chain Emissionen.
Beide Frameworks stärken die Glaubwürdigkeit von Net-Zero-Strategien für Unternehmen mit signifikanten landbezogenen Emissionen.
Gemeinsam machen sie klar: Emissionsreduktionen und Removals müssen getrennt betrachtet werden – und setzen damit einen deutlich höheren Standard für glaubwürdigen Klimaschutz.
Für viele Unternehmen erfordert dies nicht nur neue Daten, sondern auch eine engere Zusammenarbeit über verschiedene Teams hinweg.
Mit Inkrafttreten dieser Frameworks steigt der Bedarf an technischer und strategischer Unterstützung. FORLIANCE begleitet Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen – von der Erstellung von GHG Inventories über die Entwicklung von FLAG Targets bis hin zur Umsetzung des LSR Standards.
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